Cadillac Lyriq – Geronimo nicht mehr dabei
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Es war wohl ein Tiefpunkt deutscher Popkultur, der Ohrwurm „Geronimo’s Cadillac“ von Modern Talking. Im Video ist ein Cadillac Eldorado zur sehen, einer dieser offenen Straßenkreuzer mit riesigen Heckflossen und flüsterleisem Achtzylinder, am Steuer ein Frauenschwarm namens Geronimo.
Das neuste Modell der Marke Cadillac, das vollelektrische Luxus-SUV Lyriq ist wohl eher nichts für Aufreißer: Das Design des Lyriq ist zwar auffällig, aber zum Angeben eher ungeeignet. Er besticht durch innere Werte. Mit dem Lyriq versucht es die amerikanische Luxusmarke zum xten Mal am europäischen Markt. Nach den Irrungen und Wirrungen der vergangen Jahrzehnte, als Cadillacs auf Opel- und Saab-Basis nur noch Schatten einstiger Größe waren, ist der über fünf Meter Lyriq ein echtes Statement so gesehen wohl der American Way of Drive für linke Ideologen.
Design a la Antoine
Die Front wird von einer großen, schwarzen Kühlermaske dominiert, darin das Wappen des Detroit-Gründers Antoine de Cadillac. Das Heck ahmt die senkrechten Leuchten nach. Dieses SUV trägt trotzdem nicht dick auf. Auch im Innern: Dezent ist der Chromschmuck auf Knöpfen verteilt. Ein flacher, breiter Bildschirm über die halbe Fahrzeugbreite informiert über alles Mögliche.
Statt eines brabbelnden Achtzylinders arbeiten an Vorder- und Hinterachse Elektromotoren mit zusammen 528 PS. Die braucht es auch, um den 2,7 Tonnen schweren Schlitten auf Trab zu bringen. Werden alle Pferde mobilisiert, stürmt er in 5,3 Sekunden auf 100 km/h.
Die Sitze sind weich und bequem. Das Fahrwerk ist ebenfalls von der komfortablen Sorte, die Lenkung typisch amerikanisch schwammig. Platz gibt es allerdings im Überfluss. Auch auf den hinteren Sitzen sind Beinfreiheit und Raumgefühl luxuriös zu nennen. Damit er nirgendwo aneckt, sorgen sieben Kameras, zwölf Ultraschall- und sechs Radarsensoren für Sicherheit.
Ausstattung & Extras
Der Lyriq hat stets Vollausstattung, entsprechend kurz ist daher die Liste der Extras: Schwarz lackiertes Dach, Panorama-Schiebedach, Anhängerkupplung für 1,6 Tonnen – alles andere ist an Bord, zum Beispiel die beheizten und belüfteten Ledersitze oder ein Innenspiegel, der als Full-Display-Mirror wahlweise ein Kamerabild wiedergibt oder als gewöhnlicher Spiegel arbeitet, dessen Sichtfeld etwas klein geraten ist. Leder gibt es fast überall, wohin das Auge blickt. Damit relativiert sich der Preis von 79.000 Euro. Ein solches E-SUV von BMW, Mercedes oder Audi kostet einiges mehr.
Das Infotainment gibt keine Rätsel auf: Die Anzeige vor dem Fahrersitz lässt sich mit einer Touch-Fläche links des Lenkrads individualisieren – zum Beispiel, um den Verbrauch zu sehen: Im besten Fall waren es nicht 22,5 kW/h nach WLTP, sondern gute 26,4 kW. Dem gegenüber eine 102 kWh Batterie. Aber knapp 400 Kilometer sind im Alltag durchaus realistisch. Und weil der Lyriq mit bis zu 190 kW lädt, verlieren lange Strecken ihre Schrecken.
Selbst für ein Elektroauto ist der Lyriq erstaunlich leise. Weder Antrieb noch Wind- oder Abrollgeräusche dringen in den Innenraum. Hier liegt die Kraft tatsächlich in der Stille. Für die entspannte Atmosphäre sorgt das AKG-Soundsystem mit 19 Lautsprechern und eine aktive Geräuschunterdrückung.in den vorderen Kopfstützen.. Also nix für Modern-Talking-Fans. Aber – Geronimo ist ohnehin nicht dabei. hak
Datencheck Cadillac Lyriq
Länge x Breite x Höhe (m): 5,05 x 2,21 x 1,62
Radstand (m): 3,09
Antrieb: 2 E-Motoren, AWD
Leistung: 388 kW / 528 PS
Max. Drehmoment: 610 Nm
Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 5,3 Sek.
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 22,5 kWh
WLTP-Reichweite: 530 km
Testverbrauch: ca. 26,4 kWh
Leergewicht / Zuladung: min. 2774 kg / max. 426 kg
Kofferraumvolumen: 588–1687 Liter
Max. Anhängelast: 1587 kg
Basispreis: 79.000 Euro