EU Aktionsplan – Erneuerbare Kraftstoffe wieder unberücksichtigt

Der „Industrial Action Plan for the European Automotive Sector“ der EU-Kommission sollte das Ziel verfolgen, die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Automobilindustrie zu unterstützen. Doch der Plan bleibt in zentralen Punkten unkonkret. Erneuerbare Kraftstoffe finden keine Erwähnung. Das widerspricht dem von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen proklamierten Grundsatz der Technologieoffenheit.
Der Aktionsplan basiert auf fünf Säulen, darunter Innovation und Digitalisierung, saubere Mobilität, Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz der Lieferketten, Qualifikation und soziale Aspekte sowie bessere Rahmenbedingungen. „So umfassend der Aktionsplan auch gedacht ist, er greift zu kurz. Der ‚all-electric‘-Ansatz der Kommission bleibt unverändert bestehen, die Dekarbonisierung des Verkehrssektors weiterhin eindimensional“, kritisiert Ralf Diemer, Hauptgeschäftsführer der e-Fuel Alliance.
Zwar sieht der Aktionsplan einen Vorschlag zur Anpassung der CO₂-Flottenregulierung für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge vor und schafft so die Möglichkeit für Hersteller, Strafzahlungen für kurzfristige Zielabweichungen auszugleichen. Doch das Kernproblem, der sogenannte „Tailpipe“-Ansatz, bleibt unberührt. Ferner wird keine Berücksichtigung von erneuerbaren Kraftstoffen als Lösung zur Emissionsreduktion diskutiert. Diemer mahnt: „Die Realität des Verkehrssektors ist eine andere, als die Rahmenbedingungen der EU-Kommission vorgeben. Die Überarbeitung der Flottenregulierung ist die Chance, bekannte und pragmatische Lösungen für die Anrechenbarkeit erneuerbarer Kraftstoffe einzubringen. Die EU darf diese Chance nicht erneut verfehlen und muss vor allem einen schnellen Prozess, mit Ergebnis in diesem Jahr, gewährleisten.
Technologieoffenheit darf sich nicht nur in Reden wiederfinden, sondern muss in Gesetzesvorschlägen verankert und in Debatten gelebt werden. 80 Prozent des Kraftstoffmarktes entfallen auf den Straßenverkehr. Dennoch kommen die Produzenten erneuerbarer Kraftstoffe bei der Lösungsfindung und Evaluierung der bestehenden Optionen nicht zu Wort. So liegen erneut Maßnahmen auf dem Tisch, die die Transformations- geschwindigkeit der Automobilbranche kaum verändern und keinen positiven Einfluss auf die Verfügbarkeit erneuerbarer Kraftstoffe in schwer zu elektrifizierenden Sektoren wie der Luft- und Schifffahrt haben.“
Es kursieren verschiedene Konzepte, mit denen erneuerbare Kraftstoffe berücksichtigt werden können. Darunter ein freiwilliges Anrechnungssystem für Fahrzeughersteller, ein Kohlenstoffkorrekturfaktor, der den Anteil im Markt befindlicher klimafreundlicher Kraftstoffe berücksichtigt und die Definition einer neuen Fahrzeugklasse, die ausschließlich mit eFuels betankt wird, dazu Diemer: „Will die EU-Kommission Klimaschutz und Industriepolitik zusammendenken und der Automobilindustrie helfen, muss sie anerkennen, dass der Anteil fossiler Kraftstoffe im weltweiten Kraftstoffmarkt sinken muss. Das gelingt nur, wenn wir erneuerbare Kraftstoffe im Straßenverkehr zulassen und die Elektromobilität weiter fördern.“